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Finanzieller Spielraum für Studenten – welche Finanzprodukte sind geeignet?

Von Sebastian P. am 12-09-2018

Studieren in Deutschland ist auf den ersten Blick recht günstig. Die Studiengebühren wurden fast flächendeckend wieder abgeschafft, so dass die Uni selbst nur einen relativ niedrigen Semesterbeitrag für das Ticket und Verwaltungskosten erhebt. Dabei stellt sich natürlich die Frage, warum Studenten trotzdem oft unter finanziellen Engpässen leiden und was das Studieren am Ende doch zu einer teuren Angelegenheit macht. Die Hauptkostentreiber sind hierbei die Unterbringung in einer Wohnung sowie die Lebenshaltungskosten während der Studienzeit. Aus diesem Grund ist ein Nebenjob ebenso wie staatliche Förderung, das Bafög, für viele Studenten heute Alltag, jedoch deckt dieser häufig nicht die kompletten Kosten und nicht alle Studierenden haben Anspruch auf die staatliche Förderung. Doch welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus, seine Lebenshaltungskosten zu denken und sich finanziellen Spielraum zu schaffen? Wann ist so etwas sinnvoll und worauf sollten Studierende dabei achten? Diese Fragen werden im Folgenden etwas genauer beantwortet.

 

Als Student ist nicht selten die Kasse leer - doch dagegen lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise etwas tun. Auch Kredite können in Einzelfällen eine Rolle spielen.

 

Bafög – Staatliche Förderung als erster Anhaltspunkt: Was sind die Voraussetzungen und Höchstsätze?

Wer ein Studium beginnt, sollte sich zunächst über die Möglichkeiten einer staatlichen Förderung informieren. Denn Studierende bekommen aufgrund des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (Bafög) unter bestimmten Voraussetzungen eine finanzielle Unterstützung vom Staat. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Eltern die Studierenden finanziell nicht unterstützen können. Die Geldleistungen werden hierbei nach pauschalen Bedarfsbeträgen berechnet, die abhängig vom eigenen Einkommen sowie dem Einkommen der Eltern sind. Somit ist das Bafög familienabhängig und es werden verschiedene Beträge angerechnet, die der Studierende und seine Familie aus eigenen Mitteln aufbringen können.  Der aktuelle Höchstsatz der staatlichen Förderung liegt aktuell bei 735 € im Monat und ist somit eine große Hilfe für die Studenten, die keine oder kaum finanzielle Unterstützung von den Eltern erhalten. Verdienen die Eltern jedoch zu viel – und verringert sich aufgrund dessen der „Bedarf“ – oder ist die festgelegte Altersgrenze bereits überschritten, können keine Bafög-Leistungen beansprucht werden. Doch selbst, wenn die Eltern gut verdienen, können die Studierenden nicht immer auf deren finanzielle Unterstützung zählen. Und je nachdem, wie hoch die monatlichen Fixkosten sind, reicht das erhaltene Bafög ebenfalls nicht aus, um alle Kosten zu decken. In diesem Fall müssen Studierende andere Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht ziehen.

Kreditaufnahme – ob und wann ein Student einen Kredit aufnehmen sollte und wann er auf die Finanzierung besser verzichtet

Ein Kredit wird in einer finanziell schwierigen Lage oder beim Wunsch, sich etwas Bestimmtes zu kaufen, oft wie eine Erlösung. Schließlich lässt sich so der nötige finanzielle Spielraum gewinnen. Trotzdem sollten gerade Studierende Vorsicht walten lassen. Wer sich zu früh in Schulden stürzt, kommt aus der Situation eventuell lange nicht heraus. Aus diesem Grund ist es wichtig, auf die folgenden Aspekte besonders zu achten:

 

  • Genau kalkulieren: Ein Kredit bringt künftig eine monatliche finanzielle Belastung mit sich. Aus diesem Grund sollte ein Student sich nur für den Kredit entscheiden, wenn er die Raten auch locker stemmen kann.
  • Bonität checken:  Die eigene Bonität setzt sich aus dem finanziellen Spielraum (einnahmen minus Ausgaben) sowie dem bisherigen Zahlungsverhalten (z.B. SCHUFA-Auskunft) zusammen. Nur mit einer guten Bonität lassen sich attraktive Konditionen nutzen.
  • Vergleichen: Wer den erstbesten Kredit nutzt, verschenkt mitunter viel Geld. Die Zinsunterschiede sind groß und durch einen vergleich lässt sich viel Geld sparen.

 

Wer für sich festhalten kann, dass sich die Kreditraten bequem stemmen lassen, kann durchaus auf einen Kredit zurückgreifen. Andernfalls bringt ein Darlehen nur sehr kurzfristig Vorteile und ebnet sonst nur den Weg in die Verschuldung.

Studentenkonto

Ein Studentenkonto ist vor allem deshalb interessant, weil sich so Kontoführungsgebühren sparen lassen. Die Konten sind meist kostenfrei nutzbar und enthalten mitunter auch einen flexiblen Dispokredit. Dieser lässt sich als Kreditlinie immer dann nutzen, wenn es nötig ist. In punkto Rückzahlung können sich die Kontoinhaber Zeit lassen. Trotzdem hilft hier ein genauer Blick, weil Dispokredite nicht immer zinsgünstig sind. Darüber hinaus wird ein Dispo oder auch eine Kreditkarte als Zusatzlistung nur dann vergeben, wenn die Bonität ausreicht.

Kleinkredite für Studenten

Banken vergeben in Einzelfällen auch kleine Kredite an Studierende. Hierfür werden zwar die Bonitätsanforderungen etwas gelockert, jedoch erwarten die Kreditgeber trotzdem ein gewisses Mindestmaß an Einnahmen. Die Kleinkredite sind dabei nicht wie ein Dispokredit als flexible Kreditlinie konzipiert, sondern werden ordnungsgemäß in gleich hohen Raten getilgt. Eine Besonderheit stellen hier sogenannte Minikredite dar, die noch etwas geringere Bonitätsanforderungen haben, dafür jedoch auch schon nach 1-2 Monaten komplett getilgt werden. Die Kreditraten bewegen sich dabei häufig in einem Rahmen unterhalb von 1.000 Euro. Durch die kurze Laufzeit halten sich jedoch auch die Zinskosten in Grenzen. Insgesamt sind bei Krediten vor allem folgende Aspekte wichtig:

 

  • Laufzeit und Kreditsumme richtig kalibrieren: Die Kreditsumme sowie die Laufzeit bestimmen die monatliche Rate. Je länger die Laufzeit, desto geringer die monatliche Rückzahlungsrate eines Kredits. Was sich auf den ersten Blick gut aussieht, hat jedoch auch eine Kehrseite: Lange Laufzeiten bedeuten unter dem Strich höhere Zinskosten, weil man die zinsen über einen längeren Zeitraum auf eine höhere Restschuld entrichtet.
  • Zinssatz: Der effektive Jahreszins ist das Kostenmaß beim Kreditvergleich. Hier sind auch wichtige Nebenkosten enthalten. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich die einzelnen Kredite genau anzuschauen und am Ende auf ein Angebot mit einem möglichst geringen effektiven Jahreszins zu setzen.
  • Repräsentatives Beispiel: Zusätzlich ist es auch ratsam, sich das sogenannte repräsentative Beispiel anzuschauen. Hier wird ein Zinssatz innerhalb der Zinsspanne gewählt, der für zwei Drittel der potenziellen Kreditnehmer im Durchschnitt erreichbar ist. dies ist vor allem deshalb wichtig, weil viele Zinssätze bonitätsabhängig angesetzt werden und die Banken ganz unterschiedliche Bonitätsbewertungen nutzen.

 

Kreditkarten für Studenten

Eine weitere Möglichkeit, den finanziellen Spielraum als Studierender zu erweitern, stellen Studentenkreditkarten dar. Diese werden häufig in Verbindung mit einem Studentenkonto zur Verfügung gestellt. Liegt eine ausreichende Bonität (durch Nebenjobs) vor, räumen die Banken nicht selten eine kleine Kreditlinie für Studenten ein, die im Notfall wie ein Dispo genutzt werden kann. Auch hier ist jedoch Vorsicht geboten, da die Zinsen nicht selten recht hoch liegen.

Studentenkreditkarten bieten jedoch noch weitere Vorteile. Nicht selten werden attraktive Rabatte zur Verfügung gestellt und darüber hinaus erleichtern die Kreditkarten die Bargeldbeschaffung im Ausland. Einige Karten erlauben es sogar, kostenfrei Bargeld in der jeweiligen Landeswährung vom eigenen Konto abzuheben. Aus diesem Grund kann es auch hier sinnvoll sein, die Angebote einem genauen Check zu unterziehen.

Studenten sollten immer genau hinschauen

Viele Studenten tauchen mit Beginn des Studiums in eine neue Welt ein. Zum ersten Mal sind sie auch für ihre Finanzen und die Lebenshaltung selbst verantwortlich: Sie zahlen Miete und Nebenkosten für ihre erste eigene Wohnung und müssen in vielen Fällen zum ersten Mal selbst dafür sorgen, dass der Kühlschrank immer gefüllt ist. Diese neue Erfahrung führt nicht selten dazu, dass der finanzielle Spielraum für Studierende eher eng gestrickt ist. Wer diesen zusätzlich zu staatlichen Förderungen wie dem Bafög oder Nebenjobs noch erweitern möchten, kann auch auf einige Finanzprodukte zurückgreifen. Doch bevor man sich für eine Kreditaufnahme entscheidet, gilt es, sich das vorher gut zu überlegen? Lassen sich die Raten stemmen? Ist die Kreditaufnahme wirklich erforderlich? Darüber hinaus ist es natürlich auch sehr wichtig, verschiedene Angebote zu vergleichen und sich am Ende für eine möglichst günstige Finanzierungsoption zu entscheiden.

 

Bildquellen:

Abbildung 1:  unsplash.com Eliabe Costa

 

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