Einmal um die Welt: Auslandspraktikum in Südafrika

Von Theresa F. am 01-09-2016 0 Kommentare | 582 Views

Unsere Reise geht heute auf dem afrikanischen Kontinent weiter, wo Theresa ein Auslandspraktika in der Nähe von Kapstadt absolvierte.

1. Theresa, was hast du in Kapstadt gemacht?

Im Rahmen meines Bachelor-Studiums flog ich nach Südafrika, um in der Nähe von Kapstadt ein 5-monatiges Praktikum im Bereich „Städtebau/öffentliche Freiräume" zu machen. Dies war freiwillig und hat sehr gut zu meinem Landschaftsarchitektur-Studium gepasst.

2. Inwiefern unterscheidet sich das Arbeiten in Kapstadt im Vergleich zum Arbeiten in Deutschland? 

Da ich in der Branche in Deutschland noch nie länger gearbeitet habe ist das schwer zu sagen. Generell hatte ich aber das Gefühl, dass weniger Leistungsdruck herrscht und vor allem an mich als Praktikantin die Erwartungen nicht allzu hoch waren. Ich arbeitete täglich von 8:30 Uhr bis ca. 17:00 Uhr und am Freitag bis circa 15:00 Uhr. Die Pausen waren sehr flexibel und unregelmäßig, was wahrscheinlich an der Größe des Büros liegt. Es gab einen Chef, drei Angestellte und mich. Zu allen war das Verhältnis sehr freundschaftlich und locker. 

3. Wie hast du in Kapstadt gelebt?

Ich habe zusammen mit einer Südafrikanerin in einem Appartement gewohnt, direkte Strandlage in einem Vorort zu Kapstadt namens Muizenberg. Ich hatte in der Wohnung ein kleines Zimmer, ein eigenes Bad und dann hatten wir eine Küche und ein sehr großes Wohn- und Esszimmer mit Balkon. Meine Miete war in etwa so hoch wie die für mein kleines Zimmer in Freising, also umgerechnet 280 Euro, vielleicht ein bisschen weniger. Gefunden habe ich das Zimmer über Gumtree.co.za, wobei ich davon überzeugt bin, dass ich sehr viel Glück mit sowohl Mitbewohnerin, als auch Lage und Wohnung selbst gehabt habe.

4. Wie sind die Preise und durchschnittlichen Kosten pro Monat? 

Meine Miete war sehr ähnlich, wobei ich in Deutschland für Freising (bei München) ein sehr günstiges Zimmer habe und in Kapstadt ein verhältnismäßig teures Zimmer hatte (wobei das nicht Stadtzentrum sondern Vorort war, dafür mit Strandlage, also denke ich dass die Preise in Kapstadt Downtown vergleichbar mit vielleicht Berliner Preisen sein könnten). Lebensmittel, bis auf Käse, sind billiger als in Deutschland, vor allem Obst und Gemüse kostet im Schnitt die Hälfte oder 2/3 der deutschen Preise. Ausgehen ist auch deutlich billiger. Für einen Gin Tonic im Club zahlt man beispielsweise ca. 4 Euro. 


5. Wie gut kann man innerhalb Südafrika und in der Umgebung herumreisen?

Es gibt super viele und schöne „Backpackers“, also Hostels und zwischen denen verkehrt auch regelmäßig ein Busservice „Bazbus“, mit dem man dann entlang der gesamten Küste von Kapstadt bis Durban und sogar noch weiter reisen kann. Natürlich kann man sich auch ein Auto mieten, dann ist man flexibler. Ich war beispielsweise mit meiner Mitbewohnerin über Weihnachten unterwegs. Die Übernachtungen kosten meistens um die 10 Euro sind aber oft richtig cool und authentisch gestaltet. Von Trampen oder Wildcampen ist abzuraten, weil dafür die Kriminalität zu hoch ist.

6. Hast du das Gefühl die Kultur des Landes kennengelernt zu haben? 

JA! Wobei das mit der Kultur in Südafrika ja eher ein zweischneidiges Schwert ist. Kapstadt hat relativ wenig mit der Ostküste zu tun. Es gibt auch 11 offizielle Landessprachen. Das Zusammenleben mit einer Südafrikanerin, die muttersprachlich Afrikaans ist, hat definitiv geholfen, jedoch muss man sich bewusst sein, dass wenn man ehrlich ist immer noch eine Zweiklassengesellschaft gelebt wird und keine Chancengleichheit für schwarze Südafrikaner besteht.

7. Was MUSS man in Kapstadt erlebt haben? 

Die Freundlichkeit der Menschen und die unfassbar schöne Naturkulisse mit Tafelberg, Cape Point und natürlich dem Ozean. Und das gute Wetter. Daran hab ich mich echt jeden Tag wieder erfreut und es ist mit der Zeit auch nicht weniger spannend geworden. 

8. Woran musstest du dich zunächst gewöhnen? 

An den starken Wind in der Kapregion. An den Linksverkehr. Daran, dass man an Supermärkten oder Tankstellen ausschließlich von Schwarzen bedient wird und man ein „Cleaning Girl“ hat. Und an die Kriminalität. Man kann bei Dunkelheit nicht alleine das Haus verlassen und auch wenn man mit mehreren Frauen unterwegs ist, sollte dies auf jeden Fall vermieden werden. Auch den Zug kann man nur bis ca. 19 Uhr benutzen. Außerdem soll man ausgestorbene Gassen meiden. Auch an den schlechten öffentlichen Nahverkehr musste ich mich gewöhnen. Es gibt nur einen Zug (der super billig ist) und in der Stadt den „MyCitiBus“. Viele verwenden deshalb Uber.

9. Gibt es eine Sache, die du an Deutschland besonders vermisst hast? 

Meine Familie und Freunde, nachts draußen unterwegs zu sein (auch wenn es nur der Heimweg von Freunden ist) und Brezen!

10. Fernab vom touristischen Angebot: Hast du einen richtigen Insidertipp für uns? 

Der Friday Market in der Bluebird Garage in Muizenberg. Foodmarkets sind ein richtig großes Ding in Kapstadt. Jeden Abend ist ein Anderer. Am Samstag in einer alten Mühle, donnerstags auf einem Weingut, freitags in Muizenberg. Muizenberg ist eine Art Surferkommune mit langem Strand in Falsbay. Der Markt am Freitag ist ideal um mit den Locals in Kontakt zu kommen, gut zu Essen und ein bisschen vom Surfer Vibe zu erleben. 


Theresa F. (24) Landschaftsarchitektur Studentin an der Technischen Universität München

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