Einmal um die Welt: Auslandspraktikum in Tansania

Von Steffi M. am 14-07-2016 0 Kommentare | 333 Views

Wir verlassen die indonesische Insel Bali und wagen den Sprung nach Afrika. Heute berichtet Steffi von ihren Praktikumserfahrungen in Tansania.

1. Steffi, was hast du in Tansania gemacht?

Ich habe mein Praktikum in einer Sports- and Activity Lodge an der tansanischen Küste (Tanga Region) absolviert. Mein Praktikum dauerte fünf Monate und im Anschluss daran wurde mir ein Job angeboten, dem ich bis Semesterbeginn im Oktober nachgehen werde. 
Die Lodge kann 50 Gäste beherbergen und in der High Season beschäftigt sie bis zu 30 Mitarbeiter. Die Arbeitsbereiche sind stark miteinander verknüpft und ich war demnach in allen Bereichen tätig: Frontdesk, Buchhaltung und Steuern, Personal, Guest-Relations, Organisation und Logistik, Küchen- und Restaurantmanagement.

2. Wie hat es dir gefallen?

Mein Praktikum hat mir super gefallen. Natürlich gab es mal frustrierende Tage, aber wenn ich auf die letzten fünf Monate zurückblicke, kann ich sagen, dass sie zur besten Zeit meines Lebens gehören. Ich habe sehr viel gelernt: Über Hotelmanagement, über die Swahilikultur aber auch über mich selbst. Ich wurde oft an meine Grenzen oder sogar darüber hinaus getrieben. Ich habe mich durch die Situationen, in denen ich wirklich über mich hinauswachsen musste, viel besser kennengelernt.

3. Inwiefern unterscheidet sich das Arbeiten in Tansania im Vergleich zum Arbeiten in Deutschland?

Es gab selten feste Arbeitszeiten, da ich direkt in der Lodge gelebt habe. Arbeit und Freizeit haben sich ständig vermischt bzw. es gab keine klaren Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit: Mit den Gästen z. B. Volleyball zu spielen mag Freizeit sein, kann aber genauso gut zur Arbeit zählen.
Da ich ein halbes Jahr im Resort war, habe ich nicht nur die High Season, sondern auch die Regenzeit erlebt. In dieser Zeit waren kaum Gäste da und man hatte mehr freie Zeit zur eigenen Verfügung, da wir hin und wieder durch den Regen und die extrem schlechten Straßenverhältnisse auch mal von der Außenwelt abgeschottet waren.
An die Arbeitsmoral der Kollegen musste ich mich erst gewöhnen. Die Leute arbeiten viel gemächlicher und brauchen länger für aufgetragene Arbeiten als wir Deutschen. Ich habe die Tansanier als eher intransparent kennengelernt, Infos werden oft nicht weitergegeben und manchmal muss man Dinge einfach so hinnehmen, da man keine klare Antwort bekommt. Auch mit der Kommunikation gab es oft Schwierigkeiten – und das nicht wegen der Sprache. Ich denke für die Tansanier ist es allerdings genauso schwierig mit unserem deutschen Arbeitstempo und unserer Arbeitsmoral klarzukommen.

4. Wie hast du in Tansania gelebt? 

Ich habe direkt in meiner Lodge gelebt und im Restaurant mitgegessen. Die Lodge befindet sich im Busch, zur nächsten Stadt mit Supermarkt sind es 70 Kilometer. Es gibt ein paar kleine Dörfer im Umkreis, aus denen die Angestellten stammen.

5. Wie sind die Preise und durchschnittlichen Kosten pro Monat? 

Wenn man bereit ist, sich an die einheimischen Verhältnisse anzupassen, kann man sehr günstig leben. Ein Mittagessen in einem lokalen Restaurant kostet umgerechnet ca. 80 Cent. Wenn man aber nach westlichen Standards leben will, ist das Leben sehr teuer. In der Region, in der ich lebe, gibt es nur einen Supermarkt, der ca. 2 Stunden entfernt ist. Restaurants mit westlicher Speisekarte gibt es kaum und wenn sind diese sehr teuer.
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind günstig. Eine Fahrt im Dalla Dalla (Minibus) kostet umgerechnet ca. einen Euro. Eine Überlandfahrt in einem Reisebus kostet je nach Strecke und Buskategorie (es gibt Luxury, Semi-Luxury und Ordinary-Busse) zwischen fünf und 15 Euro.
Oft sagen die Einheimischen den Touristen höhere Preise aber handeln geht eigentlich immer und mit der Zeit kann man einschätzen, was angemessene Preise sind.

6. Wie gut kann man innerhalb Tansanias herumreisen?

Auch wenn zwischen zwei Orten gar nicht so eine große Entfernung liegt, muss für alle Reisen viel Zeit eingeplant werden. Da mein Wohn- und Arbeitsort mitten im Busch liegt, ist es nicht möglich schnell mal irgendwo hinzufahren. Tanga, die nächste Stadt, liegt ca. 70 Kilometer entfernt. Trotzdem fährt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln ca. 2-3 Stunden. Zudem muss ein Fluss überquert werden, der nur per Fähre passiert werden kann. Außerdem gibt es bis Tanga ausschließlich Sandwege, die das Vorankommen zusätzlich erschweren. Ab Tanga fahren Busse in fast alle Regionen Tansanias sowie nach Kenia. Die Busfahrten sind allerdings mühsam, da die Straßenverhältnisse nicht sehr gut sind und man in wirklich jedem Bus von extrem lauter Musik beschallt wird.
Nicht weit von Tanga liegen die Usambara-Berge, in denen man wunderbar wandern kann. Nach Moshi bzw. Arusha fährt man mit dem Bus ca. 6-8 Stunden. Von Moshi aus kann der Kilimandscharo bestiegen werden und ab Arusha starten die meisten Safaris in den Northern Circuit.
Von meinem Wohnort aus gelangt man über eine schmale Sandstraße nach ca. 40 Kilometern südlicher Fahrtrichtung in den Saadani Nationalpark, in dem, mit ein wenig Glück, die letzten Küstenlöwen Afrikas bewundert werden können. Außerdem kann man direkt von meiner Lodge aus mit traditionellen Dhow Booten direkt in den Norden Sansibars fahren. Dort findet man wunderschöne Sandstrände oder man fährt weiter in die "Steinerne Stadt (Stone Town)". 

7. Hast du das Gefühl die Kultur des Landes kennengelernt zu haben?   

Ja, da bis auf die Lodge Besitzer und ein deutscher Praktikant alle Mitarbeiter tansanisch sind. Meine einheimischen Kollegen laden mich oft zum Essen zu sich nach Hause ein, dadurch habe ich Freundschaften zu ihnen aufbauen können und ihre Gewohnheiten kennenlernen dürfen. Man muss sich trotzdem Mühe geben den Kontakt zu Einheimischen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, denn sie treten Weißen oft mit Skepsis gegenüber, was ich vor allem merke, wenn ich in eines der Dörfer zum Essen gehe. Sobald man aber die Dorfbewohner auf Kisuaheli anspricht, merkt man, dass sie sich freuen und sie werden etwas offener.
Auch wenn ich mittlerweile viele einheimische Freunde habe, frage ich mich trotzdem oft, worüber sie sprechen, wenn sie unter sich sind.
Als Weißer lebt man in einer anderen Welt, obwohl man direkt nebeneinander lebt. Man isst anderes Essen, man benutzt Waschmaschinen zum Wäsche waschen und man verbringt seine Freizeit anders. Es ist eine Art Parallelwelt. Ich versuche immer viel mit den Einheimischen zu sprechen und zu machen, ihre Kultur kennen und verstehen zu lernen. Doch mit der Zeit war ich froh, auch Kontakte zu anderen Expats zu haben, da es manchmal einfach nötig ist, mit Leuten, die aus der gleichen Welt kommen wie man selbst, über das Erlebte hier zu reden.

8. Was MUSS man in Tansania erlebt haben? 

Schwierig zu sagen, denn Tansania ist sehr vielfältig und hat extrem viel zu bieten. Tansania hat Gebirge und Berge, darunter den Kilimandscharo, den höchsten frei stehenden Berg Afrikas, verschiedene Nationalparks mit vielfältiger Flora und Fauna, die alle auf ihre Art besonders und einzigartig sind, Strände am Indischen Ozean, Seen, große Städte wie Dar es Salaam und die orientalisch angehauchte Gewürzinsel Sansibar. Um alles zu sehen, braucht man Wochen.
Wenn ich nun an den Ort denke, an dem ich lebe, würde ich sagen, dass man folgende Sachen einfach mal gemacht haben muss:
Nachts schwimmen im Indischen Ozean und Rumba-Rumbas trinken in Mikes Bar. Man muss mindestens einmal mit dem Pikipiki (Motorradtaxi) durch das wunderschöne Buschland gefahren sein, und eine Dalladalla Fahrt (Minibusse, die bis unters Dach komplett vollgestopft werden mit Menschen, Gepäck, Paketen, Säcken, Tieren....) in die Stadt darf auch nicht fehlen. Außerdem muss man mal Ugali (fester Maismehl-Brei) probiert haben, DAS Standard-/Lieblingsgericht der Einheimischen. Absolut lohnenswert ist es, sich den Sternenhimmel anzuschauen sowie die Sonnenuntergänge und die Sonnenaufgänge ...

9. Woran musstest du dich zunächst gewöhnen? 

Ehrlich gesagt musste ich mich komplett an alles gewöhnen, denn nichts von dem, was ich bisher kannte, ist mit dem, was ich in Tansania erlebe, vergleichbar. Der chaotische Verkehr, das Essen, die Transportmittel, die Tiere, dass die Tage 12 Stunden und die Nächte 12 Stunden lang sind, dass die Einheimischen grundsätzlich alles über dich wissen, dass der Strom öfters weg ist, als dass er da ist, an ausschließlich kalte Duschen mit salzigem Meerwasser, dass Polizei und Sicherheitsleute keine Revolver tragen, sondern Gewehre vor der Brust, dass dir „Mzungu“ zu- bzw. hinterhergerufen wird und auch die Umstände, unter denen viele Tansanier leben.
Der Umgang der Menschen untereinander ist anders – ich bin es gewohnt auch männliche Freunde zu haben. Hier habe ich das Gefühl, dass es kaum Freundschaften zwischen Männern und Frauen gibt.
Als einer meiner Kollegen aus seinem Urlaub zurückkam, habe ich ihn umarmt und damit sehr in Verlegenheit gebracht, wie ich später erfahren habe. Nach einiger Zeit kam er zu mir und sagte er müsse mit mir reden. Ich wusste erst gar nicht, worauf er hinauswollte, weil eine Umarmung für mich normal ist. Er erzählte mir dann, dass er noch nie von einer Frau umarmt wurde und was das zu bedeuten hat.
Als Weißer wird man in den Städten oft von den Einheimischen angesprochen und anfangs hab ich mich unbehaglich dabei gefühlt, weil ich nicht wusste, welche Absichten sie verfolgen, vor allem weil ich immer alleine unterwegs war. Aber schnell wurde mir klar, dass die meisten einfach nur ‚Hallo, wie geht‘s?!‘ sagen oder helfen wollen, wenn man zum Beispiel an einem der völlig chaotischen, überfüllten Busbahnhöfe steht und nicht weiter weiß.

10. Gibt es eine Sache, die du an Deutschland besonders vermisst hast? 

Ich vermisse es Serien zu schauen und Musik zu hören. Hier reicht das Internet nicht einmal für Spotify. 

11. Fernab vom touristischen Angebot: Hast du einen richtigen Insidertipp für uns? 

Tanga Mano, der riesige Second-Hand-Markt in Tanga, wo Gebrauchtes aus der ganzen Welt verkauft wird. Moralisch vielleicht nicht ganz vertretbar, aber es macht Spaß und man findet immer wieder echte Schätze.

Steffi M. (25) Tourismusmanagement Studentin an der Hochschule Bremen

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