Neue Bewerbungsformen in Zeiten der Digitalisierung

Von Lisa G. am 17-05-2016 0 Kommentare | 514 Views

Ein weiteres Motivationsschreiben schreiben – oder doch mal die Videobewerbung ausprobieren?

Viele junge Menschen erwerben bereits im Studium vielfältige Erfahrungen und stehen nach dem Abschluss vor der Herausforderung ihre fachlichen Fähigkeiten und persönlichen Kompetenzen auf einer Seite eines Motivationsschreibens zu präsentieren. Welche Tendenzen sind auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten? Und welche Chancen bietet die Digitalisierung für den Bewerbungsprozess? Strukturierte Videobewerbungen bringen gleichermaßen viele Vorteilen für Bewerber und Arbeitgeber und können schon jetzt eine zeitgemäße Alternative bieten.

Viele von uns kennen das - man schreibt sein Motivationsschreiben nach allen Regeln der Kunst und fühlt sich dennoch nicht wirklich zufrieden. Wie soll eine Textseite uns umfänglich als Person erfassen können – wo wir doch alle was Besonderes können und darstellen. Sicher hat sich der eine oder andere schon die Frage gestellt, ob nicht schon jemand im Zeitalter der Digitalisierung etwas Besseres erfunden hat. Die schriftliche Zusendung der Bewerbungsunterlagen per Post wurde weitestgehend durch den E -Mail Versand ersetzt, die Art und Form einer Bewerbung sind dabei jedoch dieselben geblieben. Welche Alternativen könnte es in Zukunft geben? Der weit verbreitete Trend hin zur Erstellung von Selfies und YouTube Clips, mit den unterschiedlichsten Formen der (Selbst)Darstellung, zeigt die Richtung für neue Wege im Bewerbungsprozess auf. 

Wie wäre es, wenn wir in Zukunft eine Videobewerbung gestalten und damit vom Arbeitgeber gefunden werden? Die digitale Welt könnte dies in Zukunft möglich machen. Ein großer Vorteil einer Videobewerbung ist die Möglichkeit das schriftliche Bewerbungsschreiben zu ersetzen und dem suchenden Arbeitgeber mehr von unserer Persönlichkeit zu präsentieren. So zeigten Studien schon vor 10 Jahren, dass multimediale Assessments eine bessere Bewerberresonanz auslösten, als klassische Paper-Pencil Tests oder auch klassische Lebenslaufanalysen. Damit wäre es doch gut unsere Selfie-Kultur zu nutzen um uns auch bei Bewerbungen in Bild und Ton darzustellen. Die zusätzliche Darstellung von persönlichen Merkmalen kann vor allem im ersten Auswahlprozess viele Vorteile bieten – insbesondere auch für diejenigen deren Lebenslauf oder bisherige Karriere noch keine wesentliche Abgrenzung zur Bewerberkonkurrenz ermöglicht.  

Vereinzelt lassen sich Bewerbungen in Form eines Videos im Internet findet. Doch die bisherigen Möglichkeiten der Videobewerbung, können die von Arbeitgebern gewünschten Kriterien der Vergleichbarkeit und Aussagekraft bei weitem nicht erfüllen. Zudem fehlt jede Struktur um Videobewerbungen sinnvoll einsetzen zu können. Es ist wohl unbestritten, dass es wenig Sinn macht, wenn jeder von uns einfach einen Video-Clip an seine Bewerbung hängt. Vielmehr braucht es eine gewisse Struktur bei der Gestaltung von Videobewerbungen. Wie aber könnte diese aussehen? Eine Idee wäre, die Inhalte eines ersten Vorstellungsgesprächs zu übernehmen und in den Videobewerbungen abzubilden. Die typischen Themen in Vorstellungsgesprächen lassen sich in vier Kategorien gliedern: „wer bin ich“, „was kann ich“, „was will ich“ und „was interessiert mich“. Beantworten wir diese Fragen in unserem Bewerbungsvideo gewinnen wir einen zusätzlichen Raum, für die Darstellung unserer Persönlichkeit und Erfahrungen, den wir in klassischen Bewerbungsschreiben nicht finden. Gleichzeitig schaffen wir eine Vergleichbarkeit und hohe Aussagekraft für den Betrachter. Der Mehrwert in dieser strukturierten Videobewerbungsform liegt aber auch darin, dass es nicht mehr um die beste Regie bei einem solchen Video-Clip geht - vielmehr als das Äußere zählt dann der Inhalt. Ein inhaltlicher Rahmen für das Gesprochene erleichtert es dem Betrachter, sich auf die Person selbst zu konzentrieren. Die Betrachter - also die potentiellen Arbeitgeber - werden damit weniger vom Schein der Inszenierung und Aufmachung geblendet und gewinnen einen wertvollen Eindruck der Person. 

Die Videobewerbung bietet nicht nur eine vorteilhafte Alternative zur klassischen Bewerbungsmappe. Sie ist zugleich auch eine zeitgemäße Erweiterung von anderen, bereits genutzten Bewerbungsstrategien der Bewerber, die sich laut einer Studie der Universität Bamberg, heute ohnehin schon zu rund 66% auf öffentlichen Karriere-Portalen mit ihrem Profil darstellen. Wenn man den Zahlen glaubt, sind sogar 45% aller Bewerber eher für eine passive Ansprache, denn die aktive Suche. Die Bereitschaft Jobs zu wechseln und neue berufliche Herausforderungen anzunehmen ist in unserer Generation so hoch wie lange nicht und damit ist es auch für rund 57% der Berufstätigen von Interesse, wenn ein Headhunter anruft.
Was könnte die nächste Stufe der Digitalisierung im Bewerbungsprozess sein? Eine digitale Plattform für Videobewerbungen ist eine sinnvolle Erweiterung der beschriebenen Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt. Studierende, Absolventen und gut qualifizierte Jobsuchende könnten genauso profitieren, wie Arbeitgeber, die gutes Personal suchen.   

Warum also nicht das digitale Zeitalter für unsere Bewerbungen nutzen? Statt langwierig am perfekten Motivationsschreiben zu feilen, können wir uns selbst in einem 99 Sekunden Video persönlich vorstellen und vom zukünftigen Arbeitgeber gefunden werden. 

 

Die Autorin, Lisa Groiß, ist Gründerin von skillster (www.skillster.net)
Skillster bietet auf seiner Plattform unter anderem diese strukturierte Art der Videobewerbung. Mit Anleitungen und Übungsblättern und für jene, die zusätzlich etwas Hilfestellung brauchen, auch mit persönlichem Coach, kann jeder in vier Sequenzen sich und seinen Typ, seine Erfahrungen, Begabungen und seinen Style darstellen. Zusammen sind das nicht mehr als 99 Sekunden – genug Zeit um mehr von uns zu präsentieren, als 1.000 Worte dies könnten.


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