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Bei einer nicht bestandenen Prüfung oder einem schlechten Prüfungsergebnis kann eine Prüfungsanfechtung sinnvoll sein, um einen Rechtsbruch auszuschließen.

Frau am Laptop

Was ist eine Prüfungsanfechtung?

Die Prüfungsanfechtung ist ein Rechtsmittel, die es Prüflingen ermöglicht, gegen die Entscheidung eines Prüfers oder eines Prüfungsgremiums vorzugehen. Dabei handelt es sich um ein öffentlich-rechtliches Verfahren auf verfassungs- und verwaltungsrechtlicher Basis, das darauf abzielt, einen Prüfungsbescheid aufzuheben oder zu korrigieren. Im Hinblick auf das Grundgesetz wird eine Prüfungsanfechtung durch die Verfassungsgrundsätze der Berufsfreiheit, den Gleichbehandlungsgrundsatz sowie das Recht auf effektiven Rechtsschutz abgesichert.

Welche Prüfungen können angefochten werden?

Angefochten werden kann das Ergebnis jeder Prüfung, die durch eine staatliche Institution oder andere Stellen mit hoheitlicher Gewaltbefugnis, wie beispielsweise Universitäten oder Industrie- und Handelskammern, abgenommen wird. Ob es sich dabei um schriftliche Klausuren oder mündliche Prüfungen handelt, spielt für eine Prüfungsanfechtung keine Rolle. Besonders häufig werden Prüfungsergebnisse angefochten, die in die Abschlussnote einfließen oder Voraussetzung für den Abschluss eines Studiums oder einer anderen Ausbildung sind. Generell lohnt sich eine Prüfungsanfechtung immer dann, wenn die in Frage stehende Note für den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung und den späteren beruflichen Werdegang von großer Bedeutung ist.

Die Möglichkeit einer Prüfungsanfechtung besteht für:

  • Abschlussprüfungen allgemeinbildender Schulen sowie von Hochschulen und Fachhochschulen
  • Klausuren und Zwischenprüfungen im Studium oder einer anderen Ausbildung, die für die Zulassung zur Abschlussprüfung nötig sind
  • IHK-Prüfungen
  • Staatliche Abschlussprüfungen für soziale und kaufmännische Berufe
  • Prüfungen für Steuerberater


Welche Erfolgsaussichten hat eine Prüfungsanfechtung?

Auf die Frage nach den Erfolgsaussichten einer Prüfungsanfechtung gibt es keine pauschale Antwort. Zum einen ist jeder Fall individuell gelagert, zum anderen sieht der Gesetzgeber für Prüfende einen Bewertungsspielraum vor, der nur in begrenztem Umfang der gerichtlichen Kontrolle unterliegt.

Gute Chancen auf Erfolg einer Prüfungsanfechtung bestehen dann, wenn dem Prüfenden entweder Verfahrens- oder Bewertungsfehler nachgewiesen können. In den meisten Anfechtungsverfahren spielen beide Varianten eine Rolle. Verfahrensfehler begründen das Recht, eine fehlerhaft abgelaufene Prüfung zu wiederholen. Bei Bewertungsfehlern wird eine Neubewertung und somit eine Korrektur des Prüfungsergebnisses beantragt.

Was sind Verfahrens- und Bewertungsfehler?

Häufige Verfahrensfehler in einer Prüfung sind Verstöße gegen den Verfassungsgrundsatz der Chancengleichheit nach Artikel 3 des Grundgesetzes, unzumutbare Prüfungsbedingungen wie beispielsweise Störungen und Lärm, die Nichteignung oder Nichtzuständigkeit des Prüfenden, das Nichteinhalten oder Nichtausschöpfen der Prüfungszeit sowie Verstöße gegen die konkreten Vorschriften für die jeweilige Prüfung. Auch eine nicht erkannte Prüfungsunfähigkeit - beispielsweise wegen einer zum Prüfungszeitpunkt vorhandenen, jedoch noch nicht erkannten Krankheit - kann das ein Verfahrensfehler sein, der eine Prüfungsanfechtung begründet.

Mann schreibt etwas auf


Bewertungsfehler ergeben sich beispielsweise aus den folgenden Konstellationen:

  • Die Lösung der Prüfungsaufgaben ist fachlich richtig oder mindestens vertretbar. In einem solchen Fall hat der Prüfling keine Möglichkeit erhalten, seinen Antwortspielraum auszuschöpfen.
  • Von den Prüfenden wurden nicht alle Tatsachen berücksichtigt, die für die Prüfungsentscheidung von Bedeutung sind.
  • In die Prüfungsentscheidung sind sachfremde Erwägungen oder die Befangenheit eines Prüfenden eingeflossen.
  • Fehlerhafte Prüfungsfragen und daraus resultierende Folgefehler wurden nicht berücksichtigt.
  • Das Gleichbewertungsgebot ist nicht eingehalten worden.
  • Die Prüfung wurde nur von einem Prüfenden abgenommen. Bei letztmaligen Wiederholungsprüfungen ist dieser Punkt besonders relevant, da hier das Zwei-Prüfer-Prinzip zwingend vorgeschrieben ist.
  • Der Prüfende hat keine eigenverantwortliche Entscheidung getroffen und sich stattdessen auf die Bewertung einer anderen Person verlassen.


Sind mit einer Prüfungsanfechtung Risiken verbunden?

Mit Nachteilen und Risiken ist bei einer Prüfungsanfechtung nicht zu rechnen. Du sicherst dir damit die Chance auf eine bessere Prüfungsnote. Bei einer Wiederholungsprüfung kommt es auf deine eigene Leistung an. Die Neubewertung eines Prüfungsergebnisses darf normalerweise nicht zur Herabsetzung der bisherigen Bewertung führen. Wichtig ist vor allem, dass die Prüfungsanfechtung zweifelsfrei begründet wird und für den Widerspruch die dafür vorgesehenen Fristen eingehalten werden.

Bei Verfahrensfehlern sollten Prüflinge unverzüglich ihre sogenannte Rügeobliegenheit erfüllen, die aufgetretenen Fehler also unverzüglich und nachweisbar benennen. Bei der vermuteten Befangenheit eines Prüfenden sollte die Rüge bereits im Vorfeld der Prüfung ausgesprochen werden. Außerdem sollten Prüflinge nach jeder mündlichen, schriftlichen oder praktischen Prüfung eine schriftliche Begründung des Prüfungsergebnisses verlangen.

Gibt es Fristen für eine Anfechtung einzuhalten?

Normalerweise muss eine Prüfungsanfechtung innerhalb eines Monats nach dem Erhalt des Prüfungsergebnisses erfolgen. Die prüfende Stelle ist verpflichtet, zusammen mit dem Prüfungsbescheid eine Rechtsmittelbelehrung zu erteilen - wenn diese Belehrung fehlt oder nicht ordnungsgemäß vorgenommen wurde, verlängert sich die Widerspruchsfrist auf ein Jahr.

Wo gibt es professionelle Unterstützung?

Für eine erfolgreiche Prüfungsanfechtung solltest du dir von Anfang an professionelle rechtliche Unterstützung holen. Optimal ist dafür ein Anwalt, der über exzellente Kenntnisse im Prüfungs- und Verwaltungsrecht verfügt.

Die Prüfungsanfechtung selbst geht in mehreren Schritten vor sich: Dein Anwalt wird zunächst deine Schilderung der Prüfungssituation aufnehmen und die Entscheidung überprüfen. Anschließend stellt er bei der Prüfungsbehörde einen Antrag auf Akteneinsicht und gegebenenfalls auf die schriftliche Begründung des Prüfungsergebnisses, stellt gegenüber der Behörde die vorhandenen Bewertungs- und Verfahrensfehler dar und reicht dann einen form- und fristgerechten Widerspruch oder eine Klage ein. Die Art des Vorgehens hängt von der Art der Prüfung und auch der Gesetzgebung in den einzelnen Bundesländern ab. Wenn du für deine Prüfungsanfechtung mit einem ausgewiesenen Experten kooperierst, wird dieser für deinen Fall eine maßgeschneiderte Strategie entwickeln.

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