Morgens denken, mittags lenken: Studentenjob als Bahnfahrer

Von Alexander T. am 23-06-2017
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Konzentration im Hörsaal, Unterlagen bearbeiten und lernen – das alles findet bei immer mehr Studenten morgens und am Mittag statt. Der Nachmittag gehört der Straßenbahn. Aber nicht als Fahrgast, sondern als Fahrer. Auch Frauen üben diese Nebentätigkeit aus. In einigen Städten Deutschlands ist das jetzt möglich. 

Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und die bestandene Prüfung sind Voraussetzungen, um auch als Student eine Straßenbahn zu fahren.

Die Bahn kommt: Auch Studenten können als Straßenbahnfahrer arbeiten. Bildquelle: linerpics - 34376734 / Shutterstock.com


In Frankfurt zum Beispiel sucht man nach Studierenden, die morgens ihrer studentischen Tätigkeit nachgehen und nachmittags in der Straßenbahn sitzen. Die VGF (Verkehrsgesellschaft Frankfurt) zahlt dafür einen Stundenlohn von 12 Euro, plus Zuschläge. 14 „Studentenfahrer“ gab es im Jahr 2015 in Frankfurt. Die Zahl heute dürfte um einiges höher liegen. Wer die Prüfung zum „Schienenfahrzeugführer“ bestanden hat, darf sich hinter den Steuerknüppel setzen. Eine Win-Win-Situation für Student und Straßenbahngesellschaft. Für den Studierenden gibt’s ein ordentliches Gehalt, die Straßenbahngesellschaft kann flexibel Personalengpässe stopfen. 

Auch Frauen nehmen das Angebot wahr

Als Straßenbahnfahrer neben dem Studium zu jobben, gefällt auch den Studentinnen. Bei der Düsseldorfer Rheinbahn wurden vor 5 Jahren im Schnellverfahren vier Studenten zu Fahrern ausgebildet, darunter eine Frau. Sie arbeitet heute in Festanstellung bei dem Verkehrsunternehmen. Unterdessen sucht die Rheinbahn weiter nach studentischen Aushilfskräften, die die Straßenbahnen fahren. Genre Frauen, davon habe man nicht so viel, heißt es.

Studenten werden oft nachts und am Wochenende eingesetzt

Wer es partout nicht hinbekommt, schon in den Nachmittagsstunden Fahrgäste zu befördern, der kann sich darüber freuen, dass auch nachts und am Wochenende Fahrer gebraucht werden. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) zum Beispiel wird ganz gezielt nach Studenten gesucht, die bereit sind, sich für 11 Euro Stundenlohn zu diesen Zeiten ins Führerhaus zu setzen. In einem Pressebericht heißt es, dass bei der KVB Fahrermangel herrscht und man sich etwas einfallen lassen müsse. Also werden Studenten hauptsächlich in den Nacht- und Wochenendzeiten eingesetzt. Das entlaste die 630 hauptberuflichen Fahrer.

Vor- und Nachteile des Straßenbahnfahrens

Ehemalige studentische Straßenbahnfahrer wissen es: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Zwar hat das Straßenbahnfahren viele Vorzüge, aber es gibt eben auch Nachteile.

Die Vor- und Nachteile, als Student Straßenbahn zu fahren

Vorteil

Nachteile

Der Stundenlohn ist angemessen. Tätigkeiten, wie Kellnern oder Ähnliches, fallen weg. Eine Straßenbahn ist auch nicht sehr kompliziert zu fahren, sagen die Studenten. Letztendlich gibt es nur Gas und Bremse. Das allerdings kann auf Dauer eintönig sein.

Weil es in der Straßenbahn nur Gas und Bremse gibt, kann es schnell langweilig werden. Aber dennoch sind alle Dinge, die den Fahrer ablenken könnten, im Führerhaus verboten. Handys, Radio, mp3-Player – alles tabu! Es muss äußerst vorausschauend gefahren werden, weil der Bremsweg einer Straßenbahn sehr lang ist. Faustformel: Ein Meter pro km/h Geschwindigkeit. Das erfordert viel Konzentration bei null Unterhaltungswert.

Tabelle: Es ist nicht alles Gold was glänzt: Straßenbahnfahren kann auch langweilig sein.

Gelungener Start ins Berufsleben

Ein Studentenjob als Straßenbahnfahrer muss nicht unbedingt nur während des Studiums die Kasse füllen. Es kann auch ein ausgezeichneter Start ins Berufsleben sein. Denn auch wenn man nicht mehr die Straßenbahnen durch die Gegend fahren möchte, so hat man bei dem jeweiligen Unternehmen immerhin schon einen Fuß in der Tür. Das kann, wenn man einen entsprechenden Eindruck hinterlassen hat, ein Sprungbrett sein.

Amerikanische Studenten haben es da im Vergleich schwerer. Sie jobben zwar auch, jedoch sind die Studiengebühren in den USA derart hoch, dass sich viele von ihnen bereits vor dem Studium verschulden müssen. 1,3 Milliarden Dollar sind es im Moment, mit denen die amerikanischen Studenten in der Kreide stehen.

Initiativbewerbungen können Sinn machen

Viele Straßenbahnbetriebe bieten Studenten Jobs als Fahrer an. Wer sich dafür interessiert, sollte sich mit der Gesellschaft in seiner Nähe einfach mal in Verbindung setzen. Einige Voraussetzungen müssen aber erfüllt sein:

  • Mindestalter: 21 Jahre
  • Führerschein (Klasse B)
  • Teilnahme an einer Schulung

So zumindest läuft das bei der VGF. Bei anderen Straßenbahn- oder U-Bahn-Anbietern mögen noch weitere Kriterien hinzukommen. Wer es genau wissen will, fragt direkt nach.

Studenten dürfen nicht einfach so drauf los arbeiten

Nicht nur die Qualifikationsansprüche der Unternehmen, auch der Gesetzgeber setzt den Studentenjobs Grenzen. So darf beispielsweise nicht unbegrenzt verdient werden. Auch dürfen 20 Arbeitsstunden pro Woche nicht überschritten werden, weil sonst der Sonderstatus als Student verloren wird. Ausnahme sind die Semesterferien. Während der vorlesungsfreien Zeit darf man als Student unbegrenzt arbeiten.

Wer als Student über eine Familienversicherung (bei den Eltern oder seinem Ehepartner) versichert ist, darf die monatliche Verdienstgrenze von 425 Euro nicht überschreiten. Falls doch, muss er sich selbst versichern.

Bleibt der Jahresverdienst bei ledigen Studenten unter 8.820 Euro, ist der Verdienst steuerfrei. Liegt er darüber, hält das Finanzamt die Hand auf.  Auch das Kindergeld, das die Eltern bekommen, darf nur dann behalten werden, wenn der Verdienst die 8.820 Euro nicht überschreitet und die Wochenarbeitszeit maximal 20 Stunden beträgt.

Andere Regeln gelten bei BAföG-Empfängern

Wer BAföG bezieht, darf noch weniger verdienen: Hier liegt der jährliche Maximalverdienst nicht bei 8.820 Euro, sondern nur bei 4.880 Euro. Wer es ganz genau wissen möchte, sollte vor Jobantritt beim zuständigen BAföG-Amt nachfragen, wieviel dazu verdient werden darf.

Welche Studentenjobs sind die beliebtesten?

Naja, vielleicht nicht gerade die Beliebtesten, aber die am häufigsten verbreiteten Jobs sind die Klassiker, die es schon seit Jahren gibt und die fast jeder Student irgendwann einmal gemacht hat.

Kellnern

Dieser Nebenjob hat schon seit Jahren Tradition. Vermutlich sind bereits die Eltern während ihres Studiums der Kellnerei nachgegangen. Etwas Geschick und Stressresistenz gehört ebenso dazu, wie die Bereitschaft, seine eigene Freizeit zu opfern. Vor allem an heißen Sommertagen oder generell an Wochenenden kann das anstrengend und frustrierend sein.

Promotion

Gerne arbeiten Studenten auch als Promoter. Kontaktfreude ist hier ganz besonders gefragt. Neue Produkte bewerben, auf Messen einen guten Eindruck machen und Proben oder Flyer in der Fußgängerzone verteilen – die Aufgaben sind vielseitig.

Nachhilfe

Wesentlich spannender ist da die Tätigkeit als Nachhilfe-Lehrer. Es kann bei relativ freier Zeiteinteilung gejobbt werden und man hält sein eigenes Wissen ebenfalls auf Trapp.

Auslieferungsfahrer

Pizza, Kartons oder Medikamente – die Zahl der Lieferungen ist hoch. Deshalb werden auch so viele Aushilfsfahrer gesucht. Wichtig ist: Der feste Verdienst muss gewährleistet sein und für die Auslieferung sollte der Arbeitgeber ein Fahrzeug stellen.

Knapp 40 Prozent verdienen ihr Geld mit „sonstigen“ Tätigkeiten. Einen Teil davon nimmt sicher auch das Straßenbahnfahren ein.
Infografik: Die beliebtesten Studentenjobs. Quelle: Eigene Darstellung

Alexander T. (23) Student der Verkehrswissenschaften aus Dresden

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