Einmal um die Welt: Auslandssemester in den USA

Von Tamara K. am 04-08-2016 0 Kommentare | 314 Views

Wir bleiben in Amerika und reisen von Costa Rica gen Norden in die USA, genauer gesagt nach Kalifornien. Heute berichtet Tamara von ihrem Auslandssemester in Fullerton.

1. Tamara, was hast du in den USA gemacht?

Ich habe von August bis Dezember 2015 an der California State University Fullerton ein Auslandssemester absolviert. Voraussetzung für ein Studentenvisum in den USA ist die Belegung von mindestens 4 Fächern. Die Fächer, die ich belegt habe waren Human Ressource Management, Tourism Management, Introduction to the Entertainment Industry und Entertainment Money Management. Insgesamt hat es mir super gefallen, es war eine einzigartige Zeit, die ich nie vergessen werde und ich würde es jedem empfehlen die Mühen auf sich zu nehmen und in Kalifornien zu studieren. Das beste war, dass ich den Aufenthalt zusammen mit meiner Zwillingsschwester durchführen konnte, obwohl wir in Deutschland nicht in der gleichen Stadt und auch nicht dasselbe Fach studieren.

2. Inwiefern unterscheidet sich das Studieren in Kalifornien im Vergleich zum Studieren in Deutschland?

Insgesamt unterscheidet sich das Studium in den USA schon sehr von dem Studium in Deutschland. Die Kurse sind in verschiedene Kategorien unterteilt, je nachdem in welchem Jahr deines Studiums du dich befindest. Wir durften als Vorgabe unserer Hochschule in Deutschland nur Kurse aus dem 3. Semester aufwärts belegen, was auch sehr gut ist, da die Einführungskurse in Amerika nicht besonders anspruchsvoll sind und Studierende Grundlagen wie wissenschaftliches Arbeiten oder Zitieren lernen. Ich habe ausschließlich Kurse der höheren Semester und des Abgangjahres belegt, sodass einige Kurse etwas anspruchsvoller waren. Allerdings ergibt sich das vor allem an der Stetigkeit des Arbeitspensums und nicht an der Schwierigkeit. Man schreibt sehr viele Kurztests, besonders in den unteren Kursen, muss gleichzeitig alle 6 Wochen eine Klausur schreiben und teilweise noch zusätzliche Paper oder Referate halten. Dadurch bleibt man aber auch ständig am Ball und es ist relativ einfach ein A oder B zu bekommen. Obwohl ich an einer staatlichen Universität war, war das Niveau recht hoch und ich hatte hochwertige Vorlesungen und Professoren, wie beispielsweise von Disneyland oder Warner Brothers. Die California State Universität zählt mit ihrem Mihaylo College im Bereich der Wirtschaftswissenschaften zu einer der besten staatlichen Unis der USA. Ich hatte eine Klasse mit 100 Studenten, da es eine Einführungsklasse war, in der viele Online Kurse geschrieben werden mit Multiple Choice. Das Verhältnis zu allen Professoren war super. Sie waren immer für einen da und haben einem mit allen Fragen und Problemen weitergeholfen. Schwierig ist zu Beginn des Semester das „course crashing“. Alle ausländischen Studenten müssen den jeweiligen Professor zu Beginn des Semester fragen, ob noch Platz in dem gewünschten Kurs ist, da die inländischen Studenten Vorrang haben. Generell ist es aber kein Problem gewünschte Kurse zu bekommen, wenn man sich vorher über die Kurse und Bedingungen informiert. 

 

3. Wie hast du in Fullerton gelebt?

Ich habe mir mit meiner Schwester ein Zimmer geteilt. Gewohnt haben wir in einem Apartmentkomplex, nicht weit von der Universität. Wir sind mit dem Fahrrad gefahren. Generell muss man aber sagen, dass es sich definitiv lohnt ein Auto zu kaufen, da es nicht sehr fahrradfreundlich in Fullerton ist. Das Apartment haben wir über eine Gruppe der Universität bei Facebook gefunden und haben mit zwei Schwedinnen zusammengewohnt, die sich auch ein Zimmer teilten. Pro Zimmer zahlt man ca. 1100 Dollar, wobei die Wohnung unmöbliert ist und man dann noch einiges an Möbeln kaufen muss. Je länger der lease term ist, desto günstiger wird es aber. Wenn man also vorhat länger zu bleiben, zahlt man monatlich weniger. Auch die amerikanischen Studenten suchen ständig nach Mitbewohnern, bevorzugen aber Stundenten, die mindestens 1 Jahr bleiben oder suchen jeweils nur jemanden, um das Zimmer zu teilen. Wenn man möchte, kann man auch mit einer Gastfamilie leben, das wollten wir aber nicht. Die Universität bietet begrenzte Kapazitäten an Zimmern in den University Housings an, die möbliert sind und einzeln oder zu zweit belegt werden können. Allerdings kostet das Einzelzimmer ab 700 Dollar und ein Doppelzimmer 1400 Dollar im Monat, sodass es sich lohnt zu überlegen, ob man sich selbst ein Apartment sucht.

4. Wie sind die Preise und durchschnittlichen Kosten pro Monat? 

Insgesamt muss man schon eine Menge an Geld einplanen. Allein die Studiengebühren lagen bei über 5000 Dollar, plus eine vorgeschriebene Krankenversicherung für einige hundert Dollar, die Wohnung und dann noch Verpflegung. Einkaufen ist relativ teuer, da der Euro so schlecht steht. Die Amerikaner kochen wenig selber und gehen viel in fast food Läden, aber das haben wir vermieden und meistens frisch gekocht.

5. Wie gut kann man innerhalb Kalifornien und in der Umgebung herumreisen? 

Kalifornien ist berühmt und berüchtigt für Roadtrips und das zurecht. Wir haben sehr viele Trips unternommen, ob San Francisco, Los Angeles (ca. 40 Minuten von Fullerton), San Diego, Las Vegas, die wunderschönen Strände oder einer der unzähligen Nationalparks. Man wird nie alles gesehen haben, es gibt so viel zu entdecken. Man sollte auf jeden Fall auch die nicht so bekannten Parks und Sehenswürdigkeiten anschauen, das gibt einem noch mehr das Gefühl nicht nur Tourist zu sein. Mir hat zum Beispiel der Lake Havasu sehr gut gefallen, aber auch der Zion Nationalpark oder Bryce Canyon sind wunderschön. Am besten lässt sich Kalifornien mit den Einheimischen entdecken. Wenn man Kontakte knüpft, wird man schnell auf diverse Partys eingeladen und lernt andere kenne, die einen wiederrum einladen, auch zu Trips oder sportlichen Aktivitäten. An der Uni gibt es auch Clubs wie den CSUF Adventure Club. 

6. Hast du das Gefühl die Kultur des Landes kennengelernt zu haben? 

Ich war bereits zuvor 2 Mal in Kalifornien, aber so richtig kennengelernt habe ich es jetzt definitiv. Je mehr Leute man kennenlernt und desto mehr Gespräche man führt, desto besser versteht man die Lebensart und Einstellungen.

7. Was MUSS man in Kalifornien erlebt haben? 

Neben den Klassikern wie Santa Monica und Venice Beach in L.A., ist für mich das Kayakfahren in den Kanälen von Newport Beach entlang der Yachten und Villen ein absolutes Highlight. Ein Muss ist auch der Besuch der Cheesecake-Factory mit Suchtgefahr. Wenn man sportlich ist, kann man von L.A. aus auf das Griffith Observatory fahren oder joggen, von wo man einen atemberaubenden Blick auf die Stadt hat. Besonders verliebt habe ich mich in die Nationalparks, sie strahlen Ruhe und Weitläufigkeit aus und sind so mächtig, dass man ehrfürchtig wird. Auch eine Poolparty in Las Vegas gesehen zu haben, gehört für mich dazu. Disneyland ist nur 10 Minuten von Fullerton entfernt, mit 100 Dollar Eintritt nicht ganz günstig, aber das muss man einmal gesehen haben. Amerikaner sind sportverliebt und so auch viele Kalifornier. Die CSUF hat kein Football Team, aber ein sehr gutes Baseball Team. Die Spiele der Anaheim Angels, gleich neben Disneyland kosten nur 10 Euro Eintritt und sind somit deutlich erschwinglicher als die Football Spiele. 

8. Woran musstest du dich zunächst gewöhnen?   

Immer Sommer wird es auch mal an die 40 Grad, wobei es uns nie so warm vorkam und sowieso alle Läden und Einrichtungen klimatisiert sind. Die Freundlichkeit ist für uns Deutsche erst mal ungewohnt und wirkt schnell gespielt, aber man gewöhnt sich daran und es ist angenehmer, als immer schlecht gelaunte Bedienungen zu erleben ;-)

9. Gibt es eine Sache, die du an Deutschland besonders vermisst hast? 

Wir haben unser Deutsches Brot vermisst. Das können die Amerikaner leider gar nicht. Selbst das „Vollkorntoast“ ist mit Farbstoff versehen und mit Süßstoffen hergestellt.

10. Fernab vom touristischen Angebot: Hast du einen richtigen Insidertipp für uns? 

Wer eine traditionelle Institution sehen möchte sollte spät abends/ nachts ins „Pantry“ gehen. Alle Gerichte sind zwar ziemlich mächtig und fettig, aber die Atmosphäre des traditionellen Cafes zwischen Ghetto und High-Society sollte man sich nicht entgehen lassen. Hier lässt sich sowohl die Spätschicht der Polizei, als auch die feierwütige Hipstermeute der Stadt sehen, die von vereinzelten Touristen interessiert beäugt wird. Nicht verpassen darf man einen Besuch bei In-Out, DER kalifornische fast food Laden schlechthin. Die Burger sind die günstigsten des Landes und noch dazu die besten. Es gibt nur 5 oder 6 items auf dem Menü. Bestellt Animal fries und einen double double, beides gibt es nicht auf der Karte-INSIDER!!!! 

Tamara K. studiert im Internationalen Studiengang Tourismusmanagement an der Hochschule Bremen

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