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„Hilfe, mein Baby hat meine Hausarbeit gegessen!“ – wenn dein Dozent dir das nicht glaubt, kommt hier der ultimative Überlebensguide fürs Studium mit Kind.

Ein Studium stellt grundsätzlich eine große Herausforderung dar. Zunehmender Leistungsdruck, Konkurrenzkampf um begehrte Praktikumsplätze und Klausuren, die kaum zu bewältigen sind, fordern ihren Tribut. Studierende mit Kind stehen vor denselben Problemen wie ihre Kommilitonen ohne Nachwuchs. Doch für sie ist nach der Vorlesung Windeln wechseln und Babybrei kochen angesagt. Ohne einen guten Plan läuft hier nichts. Damit dir der Spießrutenlauf zwischen Hörsaal und Kita gelingt, folgen nun ein paar lebensrettende Tipps fürs Studium mit Kind.

Welches Studienmodell passt zu dir?

Vielleicht stehst du schon seit einiger Zeit mit beiden Beinen fest im Berufsleben. Du hast einen vielversprechenden Job und möchtest deine Stellung bei deinem derzeitigen Arbeitgeber nicht verlieren. Wenn du die Karriereleiter weiter emporklettern möchtest, ist ein Studium aber oft unumgänglich. In solchen Fällen könnte ein Studium in Teilzeit eine Lösung für dich sein. Auch ein Fernstudium kann in Betracht kommen. Letzteres ist auch eine gute Möglichkeit, wenn du keine Hochschule in erreichbarer Nähe hast und wegen deines Kindes nicht umziehen kannst oder möchtest.

Mutter hält ihr Kind in den Armen und küsst es

Effektives Zeitmanagement

Der Wäscheberg reicht bis zur Decke und der Abwasch macht dem Schiefen Turm von Pisa Konkurrenz? Dein Sprössling möchte mit dir mit den Bauklötzen spielen, doch du hast die Mathe-Vorlesung noch nicht nachgearbeitet? Dein Tag könnte gar nicht lang genug sein, so viel hast du zu tun. Du brauchst einen Plan. Schreib dir abends eine To-Do-Liste, idealerweise mit einem Zeitplan. So bleibst du nicht unbeabsichtigt zwei Stunden auf Social Media hängen und nutzt deine Zeit effektiver. Ist eine Pinnwand in deiner Wohnung gut sichtbar platziert, verlierst du Wichtiges nicht aus den Augen. Überleg dir gemeinsam mit deinem Partner, wer wann was macht. Routinen, feste Abläufe und Tagesrhythmen (z. B. bringst du dein Kind jeden Morgen um sieben Uhr in die Kita) helfen dir und deinem Kind förderliche Gewohnheiten zu entwickeln.

Hast du schon einmal etwas von der 60-40-Regel gehört? Wenn du davor zurückschreckst, eine Aufgabe abzuarbeiten, weil du sie gerade nicht perfekt erledigen kannst, dann geh sie eben nur mit halbem Einsatz an. Das ist immer noch besser, als sich ihr überhaupt nicht zu widmen. Lerne zu unterscheiden, wann eine Ganz-oder-Gar-nicht-Mentalität angebracht ist. Beim Staubsaugen ist es sicherlich ab und an verzeihlich, wenn du es mal etwas lockerer angehen lässt.

Lernmethoden

Kennst du deinen Lerntyp? Weißt du, wie du am besten lernst? Wenn nicht, ist es höchste Zeit, es herauszufinden. Stundenlang über deinen Mitschriften zu brüten, um am Ende doch nichts zu behalten, ist nicht zielführend.

In der Vorlesung fallen deine Augen zu, weil der Dozent genauso gut das Sandmännchen moderieren könnte? Dann ab in die Bibliothek und erarbeite dir den Stoff selbst. Auch im Internet gibt es inzwischen viele unterschiedliche Angebote, unter denen garantiert das Richtige für dich dabei ist. Vielleicht bist du ja aber eher der Mindmap-Typ. Oder du vertonst deine Mitschriften und hörst sie dir als Podcast an. Probiere aus, was für dich funktioniert.

Auch die Uhrzeit kann für deinen Lernerfolg entscheidend sein. Deine Kommilitonen lernen abends und bis spät in die Nacht? Was für sie passt, muss noch lange nicht das Richtige für dich sein. Wann kannst du am produktivsten arbeiten?

Wichtig ist: Lerne von Beginn des Semesters an. Fang nicht erst zwei Tage vor den Prüfungen an, das senkt deine Erfolgsaussichten deutlich.

Nutze Angebote deiner Hochschule

Im Jahr 2016 hatten sechs Prozent der Studierenden ein oder mehrere Kinder, Tendenz steigend. Dies geht aus der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervor. Deshalb bauen die Hochschulen ihre Angebote für Studierende (und Mitarbeiter) mit Kindern aus. So findest du auf dem Hochschulgelände Still- und Wickelmöglichkeiten, Spielecken für die Kleinen und viele Mensen bieten kostenlose Kinderteller an. Auch Elternarbeitsräume gehören oft zum Angebot. In vielen Fällen bieten regelmäßige Treffen einer Gruppe von studierenden Eltern die Möglichkeit zum Austausch mit Gleichgesinnten. Manchmal finden sich auch hochschulinterne Angebote zur Kinderbetreuung, die außerhalb der regulären Kita-Zeiten eine Erleichterung sein können. An der Hochschule Wismar wird beispielsweise in Prüfungszeiten auch samstags eine Kurzzeit-Kinderbetreuung angeboten. Die meisten Hochschulen versuchen, aktiv beim Projekt „Studium mit Kind“ zu unterstützen. Aber: Deine Uni kann nicht hellsehen. Du bekommst nur Hilfe, wenn du auch darum bittest. Ansprechpartner ist meist ein eigens eingerichtetes Familienbüro. Es lohnt sich, sich nach entsprechenden Angeboten zu erkundigen.

Kinderbetreuung

Eine funktionierende Kinderbetreuung ist das A und O, wenn du mit Kind studieren willst. Mit ihr steht und fällt alles. Vor allem Krippenplätze sind heiß begehrt. Aber auch ein Kindergartenplatz für über 3-Jährige kann unter Umständen schwer zu ergattern sein, denn in den Kindergartengruppen werden fast ausschließlich im Sommer Plätze frei – nämlich dann, wenn bisher betreute Kinder in die Schule wechseln. Es gilt, sich möglichst frühzeitig um einen Betreuungsplatz zu kümmern. Ein halbes Jahr bevor dein Betreuungsbedarf beginnt, ist oft schon zu spät! Wenn du dich rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzt, kannst du womöglich sogar diejenige Einrichtung auswählen, deren Konzept am besten zu dir und deiner Familie passt.

Meist bestehen zwischen Studierendenwerken und Kindertagesstätten Kooperationen, sodass Studierende und andere Hochschulangehörige bevorzugt einen Platz erhalten. Doch insbesondere in großen Universitätsstädten wie Hamburg sind die Wartelisten auch für diese Plätze lang. Zusätzlich bieten diese Einrichtungen in vielen Fällen längere Öffnungszeiten oder die bereits angesprochenen Betreuungsmöglichkeiten außerhalb der regulären Zeiten, wenn du z. B. am Abend eine Vorlesung besuchen möchtest.

Junger Vater hält sein Kind in den Armen

Kümmere dich rechtzeitig um die Finanzierung

Vielleicht hast du das Glück, dass dein Partner erwerbstätig ist und sein Einkommen für euch ausreicht. Falls nicht, kannst du BAföG beantragen. Wenn du Kinder unter 14 Jahren betreust, kannst du zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag in Höhe von 150 Euro monatlich bekommen. Dafür reichst du zusammen mit deinem Antrag die Anlage 2 zum Formblatt 1 ein.

Alle allgemeinen Möglichkeiten der Studienfinanzierung treffen natürlich auch für dich zu. Wenn deine zeitlichen und persönlichen Ressourcen es zulassen, kannst du dich nach einem Nebenjob umsehen. Es muss ja nicht immer das klassische Kellnern sein, auch im Netz bieten sich dir viele Verdienstmöglichkeiten. Einiges ist auch im Homeoffice möglich, sodass du dir deine Arbeitszeit flexibel einteilen kannst. Perfekt für den turbulenten Alltag mit Kind.

Sollten alle anderen Möglichkeiten erschöpft sein und es trotzdem nicht reichen oder solltest du schon andere feste Verbindlichkeiten haben, kannst du einen Studienkredit in Betracht ziehen. Es gibt verschiedene Anbieter und unterschiedliche Rückzahlungsmodelle. Bedenke aber, dass du eine jahrelang bindende Verpflichtung eingehst. Du solltest dir diese Entscheidung daher genau überlegen. Ein Kredit bedeutet immer, dass du dich verschuldest. Bevor du einen Antrag stellst, schau, ob du deinen Lebensunterhalt nicht mit anderen Mitteln bestreiten kannst.

Du kannst dich auch um ein Stipendium bemühen. Es gibt viele verschiedene Förderungsprogramme, die auf die unterschiedlichsten Zielgruppen abgestimmt sind. In den meisten Fällen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, z. B. ehrenamtliches Engagement oder besonders gute Leistungen im Studium. Je nach Anbieter kannst du so entweder ein monatliches Zusatzeinkommen oder eine einmalige Finanzspritze ergattern. Eine Bewerbung lohnt sich in jedem Fall, oft stehen die Chancen gar nicht so schlecht, wie du vielleicht vermutest.

Bis zu deinem 25. Geburtstag kannst du auch Kindergeld für dich beantragen, unabhängig davon, ob du selbst schon Kinder hast oder nicht.

Zusätzlich zu den Möglichkeiten, die sich allen Studierenden bieten, kannst du als studentische/r Mutter oder Vater ALG II und Wohngeld beantragen. Dafür wendest du dich an dein zuständiges Jobcenter bzw. dein Bürgerbüro. Mutterschafts- und Elterngeld kommen außerdem in Betracht, wenn du noch schwanger bist oder dein Kind keine 14 Monate alt ist. Für dein Kind bekommst du natürlich auch Kindergeld, ein sogenannter Kinderzuschlag ist ebenfalls möglich. Falls du alleinerziehend bist, hat dein Kind außerdem Anspruch auf Unterhalt bzw. Unterhaltsvorschuss.

All diese Möglichkeiten sind mit einem nicht zu unterschätzenden bürokratischen Aufwand verbunden. Nimm ruhig die Hilfe einer Beratungsstelle in Anspruch, um dich zu informieren und dir ggf. bei der Antragstellung unter die Arme greifen zu lassen. Plane außerdem eine Bearbeitungszeit der zuständigen Behörden von mehreren Wochen bis zu einigen Monaten ein.

Vor Beginn deines Studiums solltest du dir genau ausrechnen, wie hoch deine monatlichen Ausgaben sind. Führe ein oder zwei Monate lang ein Haushaltsbuch und hebe die Belege deiner Einkäufe auf, das hilft dir, herauszufinden, wofür du dein Geld ausgibst. Du erkennst Sparpotenzial einfacher. Mach dir nicht nur Gedanken darüber, wie du deine monatlichen Einkünfte erhöhen kannst, sondern auch darüber, wie du weniger Geld ausgeben kannst.

Kind sitzt vor der Mutter

Bau dir ein Netzwerk auf

Gibt es jemanden, den du spontan anrufen kannst, wenn die Kita plötzlich geschlossen bleibt? Dein Kind ist krank, aber du musst zu einem wichtigen Seminar mit Anwesenheitspflicht? Dein Netzwerk springt ein. Es besteht aus Freunden und Familie, all jenen, auf die du dich im Falle eines Falles verlassen kannst und die dich gerne unterstützen. Ein guter Freund der Familie, der am Nachmittag für ein oder zwei Stunden mit deinem Kind auf den Spielplatz geht, ist Gold wert. Eine Nacht oder ein Wochenende bei der Oma macht deinem Spross sicher Spaß und verschafft dir gleichzeitig eine Extraportion Lernzeit, vielleicht hast du sogar die Gelegenheit, etwas zu verschnaufen.

Such dir Hilfe!

Dein Kind hat plötzlich Fieber und du kannst den Abgabetermin für eine Hausaufgabe nicht einhalten? Sprich deinen Dozenten an, sicher findet ihr eine Lösung. Geh auf die Menschen zu, sprich sie an und bitte um Hilfe: Viele zeigen sich verständnisvoll für deine außergewöhnliche Situation.

Viele Studierendenwerke bieten eigens für Studierende geschaffenen Wohnraum zu bezahlbaren Mieten an. Wusstest du, dass auch Wohnraum angeboten wird, der speziell auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet ist? Das sind üblicherweise nicht viele Zimmer und die Nachfrage übersteigt das Angebot in der Regel deutlich. Aber einen Versuch kann es dennoch wert sein, gerade wenn du noch keinen großen eigenen Hausstand mitbringst oder die Möglichkeit hast, deine Möbel für die Zeit des Studiums woanders (z. B. bei deinen Eltern) unterzubringen.

Doch nicht nur dein zuständiges Studierendenwerk kann dir im Laufe deines Studiums eine Hilfe sein. Vielleicht hast du irgendwann das Gefühl, dass dir alles über den Kopf wächst und du dieser Belastung nicht mehr gewachsen bist. In solchen Fällen kannst du dich an die psychologische Beratung deiner Hochschule wenden. Vielleicht könnt ihr gemeinsam dein Zeitmanagement optimieren. Manchmal sieht ein Außenstehender viel klarer, ob sich dir noch andere, noch nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten zur Entlastung bieten.

Ausgleich schaffen

Burnout betrifft nicht nur über 40-jährige Führungskräfte. Auch Studierende sind immer häufiger betroffen. In einer Online-Befragung des AOK Bundesverbandes aus dem Jahre 2016 gaben mehr als die Hälfte (53,1%) der befragten Studierenden an, einem hohen Stresslevel ausgesetzt zu sein! Dies verdeutlicht, dass ein Studium bereits ohne Kinder eine starke psychische Belastung darstellen kann. Trägst du zusätzlich die Verantwortung für ein Kind und musst in den Abendstunden noch den Alleinunterhalter für deinen Nachwuchs spielen, vervielfältigt sich dein Stresslevel. Umso wichtiger, dass du dir Zeiten zum Ausspannen schaffst. Du kannst nicht immer nur unter Strom stehen und erwarten, mit Meisterleistungen zu glänzen. Nicht nur dein Studium leidet darunter, wenn du dich dauerhaft übernimmst. Wenn du dauerhaft gestresst und müde bist, leidet die Beziehung zu deinem Kind. Ist es das wirklich wert? Eben. Pausen sind wichtig. Gönn dir eine.

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