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Freitag, der 23. Dezember 2018

7.30 Uhr: Mein Wecker klingelt, schlummern drücken und noch mal umdrehen.

7.45 Uhr: Der nächste 1 gegen 1 Kampf geht los, als der Wecker aufs Neue anfängt, sich die Seele aus dem Leib zu brüllen. Weder ausmachen noch mal die Stille und die innere Ruhe genießen, aber der Wecker hat leider recht: raus aus den Federn. Schnell unter die Dusche und den doppelten Espresso nicht vergessen!

8.15 Uhr: Schuhe an, Jacke an und dann ab zur Tram, das Kaufhaus macht um 9 Uhr auf! Die Stadt ist mit allen Lichtern hell erleuchtet, dabei es ist es sogar noch nicht hell, Weihnachten eben. Ich nehme die Tram und setze mich auf einen freien Platz.

8.35 Uhr: Endlich angekommen und ab in die Umkleide. Mit was fange ich an? Der Bauch, der ist der schwerste. Klack klack, die Schnalle auf meinem Bauch zu machen und das Gemisch aus Gummi und Luft einmal um den Körper drehen. Der Bauch sitzt, super! Jetzt fehlt noch die rote Hose und der rote Mantel. Die Mütze auf und los geht’s. Halt! Schon wieder den Bart vergessen. Die weißen Kunsthaare kratzen im Gesicht. Aber was tut man nicht alles für die Kinder.

Mann in a Weihnachtsmann Kostüm steht auf der Straße

Punkt 9.00 Uhr: Die Türen des Kaufhaus' öffnen sich. Ich wundere mich, wieso diese ganzen Leute einströmen, anstatt auszuschlafen, aber es ist kurz vor Weihnachten, da drehen alle durch. Es fehlt immer irgendwas an der ein oder anderen Ecke vor dem großen Fest. Ich schlendere gedankenverloren durch das Kaufhaus zu meinem Arbeitsplatz. “MAMA, MAMA, schau mal, da ist der Weihnachtsmann!” Ich werde aus den Gedanken gerissen, der Tag hat begonnen. Ich drehe mich zu der Kleinen um und lasse mit meiner verstellten, tiefen Stimme ein fröhliches ‘Hoho’ durch das Kaufhaus erklingen. Schon das erste Kind zum Strahlen gebracht.

9.30 Uhr: Ich sitze auf meinem gigantischen Stuhl und bin umringt von Fake Elfen, jeder menge Stoff Rentiere und einem übergroßen Lebkuchenhaus aus Plastik.

Das erste Kind hat mich entdeckt und zupft am Ärmel der Mutter und zeigt auf mich. Ich winke mit meinem weißen Handschuh und klingel mit einer großen Glocke, die mich an die Kuhglocken erinnert, die es früher bei uns auf dem Hof gab. Der kleine Junge konnte seine Mutter überzeugen, zum Weihnachtsmann zu gehen - zu mir also. Eigentlich läuft dann so ein Besuch bei dem Weihnachtsmann immer gleich ab. Ich Stelle Fragen wie: “Warst du auch brav dieses Jahr?”, “Was wünscht du dir denn dieses mal vom Weihnachtsmann?” Und am Ende nehme ich den großen Kartoffelsack und suche ein ganz spezielles Geschenk für jedes Kind heraus. Eigentlich befindet sich nur eine Art von Geschenk in dem Sack, und zwar eine kleine Tüte mit Süßigkeiten und einer Schleife drum herum. Aber das weiß ja keiner ;). Die Antworten der Kinder könnten unterschiedlicher nicht sein, jede einzelne hat aber ihre eigene kleine Geschichte. Dennoch feiern mich nicht alle Kinder so enorm und freuen sich nicht, wenn die Eltern begeistert mit den Handys dastehen, um diesen Moment festzuhalten, um es dann allen anderen zu zeigen.

15.00 Uhr: Es strömen immer noch Massen an Menschen an mir vorbei und die Schlange wird nicht kleiner, auf meinem Schoß sitzt ein kleiner Junge, der mir eben gesagt hat, dass er sich einen kleinen Hund zu Weihnachten wünscht. Ich verspreche ihm, dass ich alles tun werde, um meine Weihnachtsmann-Sekretärin zu überzeugen, dieses Jahr doch einen kleinen Hund in meinen Schlitten mitzunehmen. Sie sagt immer, es sei dem kleinen Hund zu kalt, aber ich sage dem Jungen, dass ich ihn einfach in meinen Mantel einwickeln werde, damit es ihm warm ist. Das Kind lacht und geht mit seiner Süßigkeitentüte zu seiner Mama zurück.

17.00 Uhr: Ich werde langsam müde, das ganze Stimme verstellen und fröhlich sein, wird anstrengend, nachher dann wieder raus in die eisige Kälte und Tageslicht bekomme ich natürlich auch nicht mehr zu sehen. In derselben Stimmung scheint auch die kleine Mia zu sein, denn sie hat so gar keine Lust, den Weihnachtsmann zu treffen. Weinend und an meinem Bart ziehend sitzt sie auf meinem Schoss und brüllt mir ins Ohr: “Du bringst mir nie einen Kaninchen zu Weihnachten! Ich mag dich nicht. Ich habe schon so viele Wunschzettel an dich geschrieben.” Die Mutter erklärt mir, sie habe eine Allergie gegen Tierhaare und kann deshalb kein Kaninchen bekommen. Mia ist immer noch am Weinen. Zum Glück habe ich als gut vorbereiteter Weihnachtsmann nicht nur einen verdammt echt aussehenden Schwabbelbauch, sondern auch für solche Fälle eine Lösung. Denn hinter dem Stuhl liegen Stofftieren und unter anderem ein Stoff Kaninchen, welches ich Mia in die Hand gebe: “Hier hast du ein Kaninchen!” Mia hört auf zu weinen, zieht noch einmal an meinem Bart und geht. Danke Mia.

18.00 Uhr: Der Tag ist vorbei. Ich raus aus meinen Sachen, der Bauch kommt weg. Morgen beginnt der neue Tag. Morgen ist Heiligabend, deshalb wird es noch mal richtig voll im Kaufhaus. Morgen noch einmal durchhalten und dann kann auch ich mich entspannen und auf Weihnachten freuen. Wieso gebe ich mir diesen Stress eigentlich jedes Jahr.

2 Tage später bekam ich einen Brief ins Büro mit einem Foto drin auf dem eine lachende Mia zu sehen war, und in der Hand das Stoff Kaninchen vor dem großen Weihnachtsbaum. Genau da wurde mir wieder klar, wieso ich mich jedes Jahr aufs neue in das Weihnachtsmann Kostüm stecke und mich 8 Stunden in das Kaufhaus setze - um die Kinder zum Lachen zu bringen, um ihnen eine fröhliche und glückliche Zeit über Weihnachten zu schenken. Deshalb werde ich auch nächstes Jahr wieder den dicken, bärtigen Mann spielen und damit wünsche ich allen fröhliche Weihnachten!

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